Einleitung

Schon seit Jahren bemühen sich Naturschutzverbände und Behörden verstärkt darum, bei der Bevölkerung übertriebene Vorstellungen und Ängste gegenüber unserer heimischen Hornisse auszuräumen.

Hornisse Verspa crabroDennoch besteht im Lande immer noch ein erheblicher Informationsbedarf, der sich in zahlreichen Anfragen nicht allein bei den Autoren, sondern auch bei den Naturschutzinstitutionen äußert. So werden beispielsweise immer wieder wissenschaftlich belegte Daten zur Biologie unserer Vespa crabro (speziell zum Verhaften gegenüber dem Menschen und umgekehrt), zur Auswirkung etwaiger Stiche sowie zu den technischen Möglichkeiten artgerechter Schutzmaßnahmen angefordert.

Statt immer wieder im Einzelfall Auskünfte zu geben, erschien es sinnvoller, die angesprochenen Fragen im Rahmen einer ausführlichen Veröffentlichung zu behandeln.

Die vorliegende Veröffentlichung ist vor allem gedacht für die jenigen, die Dritte über Hornissen informieren bzw. im konkreten Einzelfall beraten sollen und ggf. Absicherungsmaßnahmen oder Umsiedlungen vornehmen, z. B. in Naturschutzbehörden, Gemeinden und ehrenamtlichem Naturschutz. Eine zusätzliche Hilfe bietet die bundesweite Beraterdatenbank.

Wie schon in der von v. HAGEN & WALDSCHMIDT (1982) veröffentlichten grundlegenden Arbeit haben sich die Autoren wiederum sehr darum bemüht Interessierten die aktuellen, weiter vervollkommneten Techniken der Umquartierung von Hornissenvölkern mit ihrem kompletten Wabenbau in spezielle Nistkästen sowie der Umsiedlung von störenden Völkern in andere artgerechte Lebensräume eingehend zu schildern.Lebensraum Kopfweide Damit soll eine fehlerfreie, möglichst optimale Handhabung dieser Techniken gewährleistet werden. Keineswegs aber sollte daraus der Schluß gezogen werden, die Umquartierung und /oder Umsiedlung von Hornissenvölkern sei die vorrangige Schutzmaßnahme. Vielmehr ist in jedem Falle vorher zu prüfen. Ob sich die Lage nicht durch Aufklärung der betroffenen Personen oder - bei kritisch gelegenem Nistplatz - durch eine Absicherung des Standortes bereinigen läßt.

Die Umquartierung und/oder Umsiedlung stellt daher erst die letzte Möglichkeit vor der anderenfalls drohenden Vernichtung eines Hornissenvolkes dar. Neben der eingehenden Schilderung der Techniken zur Umquartierung und Umsiedlung von Hornissenvölkern sind alle Informationen zusammengestellt die für die Beratungstätigkeit wichtig sind. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und gezielte Schutzmaßnahmen ist es bereits gelungen, in den Gebieten eine Bestandserholung arg dezimierter Hornissenpopulationen sowie eine Wiederbesiedlung verlassener Regionen zu erreichen. So war beispielsweise in Nordhessen (vgl. WOLF 1970/71) und im südlichen Niedersachsen der Hornissenbestand wahrscheinlich völlig erloschen; zumindest konnten den Autoren bis Ende der siebziger Jahre in diesen Gebieten trotz jahrelanger Suchaktionen einschließlich Befragungen der Bevölkerung keine Hornissen ausfindig gemacht werden (vgl. v. HAGEN & SCHMIDT 1988).

Seit Beginn der achtziger Jahre der Ansiedlung von Hornissenvölkern aus dem deutschen Raum, ist die Hornisse in der genannten Region jedoch wieder regelmäßig anzutreffen. Dies läßt vermuten, dass hier als Ursachen für das Verschwinden der Hornisse neben den Umweltbedingungen die früher durchgeführten gezielten Verfolgung diesem von Menschen besonders dicht besiedelten Raum eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Erfreulich ist, dass es aus der norddeutschen Tiefland vermehrt Meldungen von Hornissenvorkommen gibt, die auf eine Stabilisierung bzw. eine Zunahme der Vespa Crabro hinweisen. (Stand September 2009)

Seit dem 1. Januar 1987 steht die Hornisse unter besonderem Schutz. (BartSchV vom 19.12.1986) Demnach ist eine Verfolgung der Hornisse gesetzlich verboten nach (§ 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen;) Neues Gesetz vom 01.03.2010.

Ausnahmen sind nur im Einzelfall mit Genehmigung der Bezirksregierung zulässig. Diese erfreuliche Tatsache darf natürlich nicht dazu führen, Schutzmaßnahmen beider Bevölkerung gleichsam "erzwingen" zu wollen. Der Hornissenschutz ist nur deshalb so weit vorangekommen, weil bisher alle an den Schutzmaßnahmen Beteiligten gegenüber den Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit psychologischem Feingefühl, dem Einzelfall angepaßter Beratung und oft genug auch durch das praktische Beispiel vor Ort mit mühsamer Überzeugungsarbeit vorgegangen sind - und so muß es auch bleiben, wenn nicht der bisherige Erfolg zunichte gemacht werden soll.

Wichtig ist auch eine gute, Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzbehörden die korrekte Einholung der notwendigen Ausnahmegenehmigungen gemäß den Schutzbestimmungen.