5.2.4
Bei Völkern mit mehr als zwei Waben
ist die Zahl der Hornissen meist schon zu hoch um vor der Umlogierung
des Wabenbaues alle Tiere einzeln abzufangen. Man kann nun während
der Abtrennung des Wabenbaues von der ursprünglichen Nistgelegenheit
die verteidigungsbereiten Flughornissen einfach abfliegen lassen;
dann sollte man die Klebearbeiten etwas abseits vom Nistplatz
ausführen, um nicht dabei durch etwaige Attacken gestört zu werden.
Besser ist es jedoch, bei Volkreicheren Staaten ab etwa 50 Tieren
die Masse der Flughornissen vorher in einen vor das Flugloch gehaltenen
Drahtkäfig oder in eine unter die Öffnung der Nesthülle gehaltene
Reuse aus Fliegendraht zu locken. 1)
Ein
Hornissen sollte die Maße von 65Hx25Bx25T aufweisen. So kann
gewährleistet werden, dass sich das Volk gut entwickeln kann.
Der von
uns benutzte Drahtkäfig
hat Außenmaße von 23 X 18 X 15 cm, so, dass er zur Freilassung
der abgefangenen Hornissen auf den Boden des Hornissen Nistkastens
gestellt werden kann. Eine Seite dieses Käfigs besteht aus einer
leicht austauschbaren Pappwand, in die sich an beliebiger passender
Stelle eine Öffnung zum Ein- und Herauslassen der Hornissen einschneiden
läßt. Die elastische Drahtreuse sollte einen -Durchmesser
von ca. 25 cm und eine Länge von ca. 40 cm haben. Sie ist auf
einer Seite weit offen, auf der anderen Seite geschlossen. Die
geschlossene Seite enthält einen zunächst durch einen Papierpfropfen
o. ä. verschlossenen Ausgang von ca. 3 cm Durchmesser zur späteren
langsamen Freilassung der abgefangenen Hornissen.
Durch Klopfen an der Nistgelegenheit
oder durch Hineinblasen durch die Drahtwandung in das Flugloch
oder die untere Nestöffnung werden die flugfähigen Hornissen in
den Drahtkäfig oder die Reuse gelockt. Danach wird etwa Zuckerlösung
auf die Drahtwandung in die Nähe der, gefangenen Hornissen geträufelt
und Drahtkäfig oder Reuse mit den Tieren zunächst bis zum Abschuß
der Umlogierung des Wabenbaues gut verschlossen zur Seite gestellt.
Die Königin und die Junghornissen
können während der Umquartierung auf den Waben verbleiben - sie
verstecken sich gewöhnlich in den Wabengassen und verhalten sich
ganz ruhig. Dennoch muß natürlich sorgfältig darauf geachtet werden,
dass die Tiere nicht mit dem heißen Material aus der Heißklebepistole
in Berührung kommen.
Es
empfiehlt sich, die Arbeiten in einem geschlossenen Raum durchzuführen,
Um ein mögliches Abfliegen der Königin zu verhindern. Vor den
Fenstern des Raumes sollten die Vorhänge zugezogen werden, damit
abfliegende Tiere, vor allem die Königin, nicht mit Wucht gegen
die Scheiben prallen.
Das "Klebeverfahren" mit der Heißklebepistole
ist bei Völkern mit bis zu etwa vier Waben anwendbar. Die Oberfläche
der ersten Wabe ist allerdings gewöhnlich kuppelförmig nach oben
ausgebuchtet. Die Anheftungsfläche ist dadurch für die relativ
schweren Waben in diesem Entwicklungsstadium zu klein. Deshalb
empfiehlt es sich, an der Decke des Nistkastens zwei 2 cm dicke
Vierkantleisten mit Heißkleber anzubringen (vgl. Abb. 11);
der Kasten wird dabei und auch während der folgenden Umlogierungsarbeiten
auf den Kopf gestellt. Die richtige Position der Leisten ist vorher
durch, versuchsweises Auflegen der Waben (Oberseite der ersten
Wabe) zu ermitteln. Anschließend werden die Oberseiten der beiden
Leisten mit einer dicken Schicht Heißkleber versehen und der Wabenbau
mit der Oberseite der ersten Wabe auf die Klebeflächen aufgelegt.
Jetzt ist eine ausreichende Tragfähigkeit der Klebeflächen gewährleistet.
Dennoch müssen bei einem etwaigen Transport des Volkes in einen
neuen Lebensraum angesichts des stets sehr empfindlichen Wabenmaterials
der Hornissen stärkere Stöße immer vermieden werden.
Sollten
sich bei den Arbeiten Waben von den Stielen lösen, können sie
mit Heißkleber wieder aneinandergefügt werden. Zerbrochene oder
instabile Stiele können durch passend zurecht-geschnittene 5-mm-Vierkantleisten,
die an ihren Enden mit Heißkleber versehen sind, ersetzt werden.
Die Hornissen beziehen sie ohne weiteres in ihren Bau ein. Wenn
die Klebemasse sicher trägt, muß der Nistkasten wieder vorsichtig
aufgerichtet werden.
Abb. 11: Umquartierung
größerer Nester bis ca. 4 Waben. Untergeschobene Keile vergrößern
die Befestigungsfläche der gerundeten Waben am Nistkastendach.
Nach Beendigung der Umlogierungsarbeiten
sind zunächst die abgefangenen Arbeiterinnen dem Wabenbau wieder
zuzuführen. Reuse oder Drahtkäfig werden mit, dem noch durch einen
Papierpfropfen o. ä. verschlossenen Ausgang nach oben in den Hornissenkasten
gestellt; anschließend wird der Pfropfen entfernt und die Nistkastentür
mit verschlossenen Fluglöchern unverzüglich geschlossen. Die Arbeiterinnen
können nun nach oben zum Wabenbau laufen.
Beim Einplatzieren der elastischen
Reuse in den Nistkasten ist dafür Sorge zu tragen, dass sie durch
etwaige Bewegungen während des Transports nicht die unterste Wabe
des Hornissenbaues beschädigen kann. Durch einen aufgelegten Stein
auf den nach unten zeigenden Teil der Reuse läßt sich
dies verhindern. Sollten Nistkästen mit einer geringeren Innenhöhe
als 65 cm benutzt werden, empfiehlt es sich, den Kasten und die
Reuse nebeneinander möglichst nah beieinander aufzustellen. Die
Hornissen fliegen dann bei geöffneter Tür von allein
dem neuen Kasten zu.
Inzwischen sind die restlichen Flughornissen
des Volkes, die noch auf Beutefang usw. unterwegs waren, zum alten
Nistplatz zurückgekehrt und sammeln sich gewöhnlich an der alten
Anheftungsstelle der Waben. Der Nistkasten wird nun möglichst
dicht am ehemaligen Nistplatz plaziert. Von dort werden die Tiere
mit Hilfe des Fanggerätes abgefangen und mit dem Kolben in den
Kasten bugsiert. Beim Einfangen der letzten Arbeiterinnen kann
ein Kescher zusätzlich gute Dienste leisten. Ist bei der Umquartierung
des Volkes kein Fangbehälter zum Abfangen der flugfähigen Hornissen
benutzt worden, plaziert man nach der Umlogierung des Wabenbaues
den Nistkasten direkt an der bisherigen Anheftungsstelle der Waben
am alten Nistplatz oder vor dessen Einflugöffnung und läßt
die abgeflogenen Hornissen bei zunächst offener Fronttür den Waben
im Nistkasten zufliegen. Hat sich die Masse der Tiere in der neuen
Behausung gesammelt, wird die Kastentür geschlossen.
Man kann nun eine abgeschnittene
20 -ml- Einwegspritze oder einfach eine Pappröhre so in das Flugloch
einführen, dass sie mehrere Zentimeter weit in den Kasten hineinragt.
Die noch anfliegenden letzten von auswärts ankommenden Hornissen
laufen entweder von allein durch die Röhre in den Kasten, oder
sie werden abgefangen und mit dem Kolben des Fanggerätes in den
Kasten geschoben. Durch die in den Kasten hineinragende Einlaufröhre
wird ein zunächst unerwünschtes Herauskommen der Hornissen weitgehend
verhindert. Ist auch die letzte Arbeiterin, dem Volk zugesetzt,
kann die, Umsiedlung erfolgen.
Bei stärkeren Völkern,
die sich bereits gutverteidigen können, verzichten Wir auf den
Einsatz einer schützenden Futterschachtel vor dem Flugloch. Vielmehr
verkleiden wir das Flugloch für den Transport zum neuen Aufstellungsort
mit Fliegendraht (Kunststoff wird rasch zerbissen), schneiden
mit einer spitzen Schere ein kleines Loch in den Draht und schieben
dort hindurch die Zotte einer mit Zuckerlösung gefüllten Vogeltränke;
der Zugang in das innere des Vorratsbehälters wird mit einem Stück
Fliegendraht versperrt.. Natürlich muß diese Tränke mit
Blumendraht und Reißzwecken vor dem Abfallen gesichert werden.
Neben dem Flugloch bringen wir
ein stabiles Brettchen an, auf welches wir am Ansiedlungsort vor
der Freilassung der Hornissen die Vogeltränke mit Zuckerlösung
stellen und einen großen Klumpen Zuckerteig legen. Die Freilassung
erfolgt auch hier mit Hilfe eines durchlöcherten Papierstreifens,
den wir unter den Fliegendraht vor das Flugloch schieben und mit
Reißzwecken befestigen. Sofern ein Fangbehälter zur Freilassung
abgefangener Flughornissen in den Kasten eingestellt wurde, kann
er am Ansiedlungsort herausgenommen werden, sobald die Hornissen
sich dort eine Stunde eingeflogen haben.
1) Auf
keinen Fall sollten Glasgefäße als Fangbehälter benutzt werden,
weil sich die Hornissen an den glatten Wänden stark abnutzen.