5.2.3
Wie schon angedeutet, ist es immer
besser, mit den Maßnahmen der Umquartierung und Umsiedlung so
lange zu warten, bis die ersten Arbeiterinnen vorhanden sind und
die Königin nicht mehr ausfliegt. Letzteres ist i. a. dann der
Fall, wenn bereits fünf bis zehn Arbeiterinnen existieren. Solche
Völkchen sind sehr leicht zu manipulieren, und die Gefahr, die
Königin zu sehr zu beanspruchen oder gar zu verlieren, ist stark
gemindert. Auch hier muß vor einer Umsiedlung in einen neuen
Lebensraum i. d. R. zunächst eine Umlogierung des Wabenbaus in
einen speziellen Hornissen Nistkasten durchgeführt werden.
Folgendes
Vorgehen hat sich hierbei bewährt:
Zuerst werden die wenigen Jungarbeiterinnen
und die Königin von den Waben abgefangen. Dazu benutzt man eine
flache, etwa 2 cm breite Holzleiste, die in Honig oder Zuckerlösung
getaucht wurde" und läßt die Hornissen auf diese Leiste
krabbeln. Dann streift man sie vorsichtig in ein Abfangkästchen.
Hierzu schneidet man in eine Zigarrenschachtel oder ein ähnliches
Pappbehältnis eine kleine Klappe. Eine eingeschnittene Öffnung
an der Schmalseite dieses Behälters versieht man mit einem Fliegendrahtgitter.
Die abgefangenen Hornissen sammeln sich nun an diesem hellen "Fenster".
Die nach und nach zurückkehrenden - bislang noch freifliegenden
-Hornissen läßt man zunächst in Ruhe; sie werden später,
wenn die Waben, umlogiert worden sind, abgefangen.
Im
Abfangbehälter werden die Tiere mit Zuckerlösung oder noch einfacher
- mit Bienen-Zuckerteig gefüttert. Sind die Königin und die jungen
Arbeiterinnen eingefangen, trennt man vorsichtig mit einem geeigneten
Messer die sehr zerbrechliche Wabe vorsichtig von ihrer Anheftungsstelle
und läßt sie in ein weiches Tuch oder direkt in eine
Hand gleiten.
Mit Hilfe einer rechtzeitig angeheizten
Heißklebepistole bringt man nun an der Decke des kopfstehenden
Nistkastens einen Batzen Heißkleber an und drückt die Oberseite
der ersten Wabe in die flüssige Klebemasse. Um die Klebefläche
der Wabenoberseite zu vergrößern, kann jetzt in diesem fortgeschrittenen
Stadium der Nestentwicklung der Stiel der ersten Wabe entfernt
werden. Die Wabe wird dann so lange waagerecht gehalten, bis der
Kleber trägt.
Danach wird der Nistkasten wieder
aufgestellt, die Zellen der Waben zeigen mit ihren Öffnungen also
wieder ordnungsgemäß nach unten. Sind nur wenige Arbeiterinnen
(bis etwa zehn Individuen) und die Königin im Fangbehälter, dann
läßt man jetzt die Tiere sofort durch die geöffnete
Klappe direkt auf die Wabe laufen; vor allem sorgt man dafür,
dass die Königin die Wabe besetzt.
Handelt es sich um mehr als zehn
Tiere, legt man die Fangschachtel auf den Boden des Kastens, öffnet
deren Klappe und schließt umgehend die Tür des Nistkastens und
dessen Fluglöcher für etwa 15 Minuten. Die Hornissen laufen in
dieser Zeit aus dem Fangbehälter nach oben auf ihre Wabe und versammeln
sich dort um die Königin. Vorsichtshalber kontrolliert man später,
ob die Königin auch tatsächlichen den Weg zur Wabe gefunden hat.
Die bislang abwesenden Flughornissen haben sich inzwischen am
alten Nistplatz eingefunden. Gewöhnlich sammeln sie sich an der
bisherigen Anheftungsstelle der Waben. Von dort können sie leicht
mit einem einfachen Fanggerät abgefangen und, nach und nach in
ihre neue Behausung überführt werden.
Als
Fanggerät hat sich eine an beiden Seiten offene, etwa 10 cm lange,
durchsichtige Kunststoffröhre mit einem Innendurchmesser von etwa
3,5 cm bewährt; in diese Röhre wird an einem etwa 15 cm langen
Stab ein passender Kolben eingeführt . Dieses Fanggerät wird bei
zunächst zurückgezogenem Kolben über eine der heimgekehrten Hornissen
gestülpt und dann ein Papierstreifen unter die Öffnung des Gerät
' es geschoben. Die so gefangene Hornisse wird nun mit Hilfe des
Kolbens durch das für diesen Zweck kurzzeitig geöffnete Flugloch
in den Nistkasten geschoben. Umherfliegende Hornissen werden erst
mit einem Kescher eingefangen und dann von dort oder mit Hilfe
des beschriebenen Fanggerätes in den Kasten lanciert.
Das Hornissen-Fanggerät: Hier eine Spezialanfertigung.
Zum Eigenbau eignet sich eine Kunststoffröhre einer Vogeltränke,
Pappscheibe, Korken und Holzstiel.
Da die soeben umquartierten Arbeiterinnen
gewöhnlich noch eine kurze Zeit auf ihrer Wabe verharren, kann
man, sofern das Volk mit dem neuen Nistkasten nur wenige Meter
verstellt werden soll, danach gleich das Flugloch- ohne weitere
Vorkehrungen öffnen. Die Tiere werden darin in Ruhe ihre Orientierungsflüge
unternehmen.
Wenn man das Flugloch des alten
Nistraumes verstopft und die, Entfernung des neuen Standortes
nur etwa 5 bis 10 Meter beträgt, finden die Hornissen nach, einigem
Suchen von allein zu ihrem neuen Nistplatz zurück. Sollte dagegen
das Völkchen innerhalb seines bisherigen Flugbereichs bis zu 100
Meter versetzt worden sein, läßt es sich genau wie eine einzellebende
Königin auf den neuen Standort umdressierten. Am einfachsten ist
es, wenn sich das Nest in einem Vogelnistkasten befunden hat;
dann hängt man diesen an den alten Standort, läßt die
Arbeiterinnen sich darin eine viertel Stunde sammeln, bringt sie
dann in diesem Vogelnistkasten geschlossen (Flugloch ist verstopft)
vor den neuen Nistplatz und läßt sie dort wie beim
Umsiedeln einer Königin beschrieben mehrmals in ihre neue Behausung
einfliegen. Ähnlich wie die Königin orientieren sich auch die
Arbeiterinnen etwa nach dem dritten Zurückholen um auf den neuen
Standort.
Nistete das Volk zuvor in einer
anderen Art von Behausung, können die Arbeiterinnen mit Hilfe
der "Lockleiste" oder des Fanggerätes und der Fangschachtel umdressiert
werden.' Auch bei der Versetzung des Hornissenvölkchens nur um
bis zu 100 Meter kann man nach dieser verhältnismäßig kurzen Zeit
gewöhnlich noch das Flugloch des neuen Nistkastens ohne besondere
Vorkehrungen öffnen. Sollten die Arbeiterinnen allerdings schon
sehr herausdrängen, ist es besser, vor dem Flugloch ein Blatt
Papier anzubringen, das man etwas durchlöchert; jetzt können sich
die Hornissen durchnagen und somit ruhig befreien und dadurch
gründlichere Orientierungsflüge unternehmen.
Bei der Umsiedlung innerhalb
ihres gewohnten Flugbereichs brauchen die Völker im allgemeinen
nicht gefüttert -zu werden, es sei denn, sie leiden offensichtlich
en unter Mangel an Nahrung. Zur Umsiedlung in einen neuen
Lebensraum bringt man bei kleinen Völkern (bis etwa 30 Individuen)
eine Futterschachtel an. Eine Seitenwand dieser Schachtel versieht
man am Boden mit einer Öffnung, durch weiche die Zotte einer mit
Zuckerlösung gefüllten Vogeltränke eingeführt wird. Der Futterbehälter
wird außen an der Futterschachtel befestigt. Mit verschlossenem
Flugloch der Futterschachtel wird das Volk nun zum neuen Standort
möglichst erschütterungsfrei transportiert und dort der Flug freigegeben.
Die Tiere sollten sich - wie bereits beschrieben durch ein perforiertes
Blatt Papier selbst in Ruhe befreien. Auch hier kann nach erfolgter
Umsiedlung die Fütterung auf Zuckerteig umgestellt werden.