In der Nähe von Trachtquellen
(z.B.. blühenden Weidenkätzchen, Taubnesseln, Rotklee,
Ackerbohnen, Erbsen und Wicken) ist meist bald ein nestsuchendes
Weibchen, im Zickzack dicht am Boden herumfliegend, zu finden.
Wenn es sich gesetzt hat, geht man vorsichtig herbei und fängt
die Hummel sanft mit beiden Händen, und zwar in der Weise,
dass die Hummel vom Boden in die ringförmig zusammengehaltenen
Hände hineinklettern muß. Erst brummt die Hummel vielleicht
noch nervös,
läßt
auch ein scharfes Verteidigungssirren hören, beruhigt sich
dann aber schnell. Die Königinnen knabbern höchstens
mit ihren Mandibeln
etwas an der Hand herum, um sich zu befreien - stechen aber gewöhnlich
nicht, sofern sie nicht gedrückt werden. Ruhig geht man zum
Nistkasten, nimmt die Königin in die hohle rechte Hand, öffnet
die Klappe des Vorbaues, hält eine Pappröhre (z.B. eine
selbst aus einem Pappstreifen hergestellte Pappröhre Ø
ca. 2,5 cm, Länge etwa 8 - 10 cm oder die Innenrolle von
Toilettenpapier) vor den im Innern des Vorbaues befindlichen und
sonst schlecht zu erreichenden Nistkasteneingang und läßt
die Hummelkönigin durch diese Ansatzröhre in den Kasten
bzw. in den Gang, der beim Kasten mit Vorraum und Trennschied
zum Nistraum führt, laufen.
Bild:
Gemeiner Beinwell (Symphytum officiale)
wichtige Trachtpflanze der Hummeln
Nach
dem Einlaufen der Hummelkönigin bleibt die Hand mit der Ansatzröhre
noch vorsichtshalber ca. 1/2 Minute vor dem Nistkasteneingang,
damit die Hummel nicht durch plötzlichen Lichteinfall gestört
wird, sofort wieder umkehrt und abfliegt. Dann schließt
man die Klappe des Vorbaues, entfernt sich mindestens zehn Schritte
und nimmt hinter einem Busch oder Baum Deckung, um die Hummel
beim Herauskommen nicht zu irritieren. Nach etwa 10 - 15 Minuten
erscheint sie am Flugloch. War sie in einer ungeeigneten Stimmungslage,
fliegt sie ohne Orientierungsflug einfach ab. Ist sie hingegen
geeignet, dreht sie sich um, steckt ihren Kopf nochmals in den
Eingang, fliegt auf, steht fast still in der Luft dicht vor dem
Einflugloch mit zum Nistkasten gerichteten Kopf, schwenkt kurz
nach links, dann nach rechts, zieht einen Kreis nach links, einen
nach rechts, zieht Halbkreise und größere Kreise, steigt
höher und kreist weiter: Sie prägt sich das Flugloch
und den Standort des Nestes ein, hat also den Nistkasten angenommen!
Nach ca. 1/2 Stunde, manchmal auch
erst nach einigen Tagen, bezieht diese Hummel unseren Nistkasten.
Die ersten 5 Tage nach der Besiedlung ist die Königin besonders
empfindlich gegenüber Störungen; eine vorzeitige Nachschau
kann sie zum Auszug aus dem Nistkasten veranlassen.
Nachdem eine Königin einen
Orientierungsflug als Zeichen der Annahme des Nistkastens ausgeführt
hat, darf dem Nistkasten auch dann, wenn er zunächst noch
nicht gleich bezogen wird, innerhalb der nächsten 10 Tage
keine weitere Hummel mehr zugeführt werden - manche Königinnen
beziehen den Nistkasten nämlich erst nach ca. 10 Tagen und
es könnte dann zu Stechereien zwischen den Königinnen
kommen.
Kurz nach der erfolgreichen Besiedlung
des Nistkastens beginnt die Königin in zunehmendem Masse
Pollenhöschen anzuschleppen (Beginn des Brutgeschäftes!)
und abends sehen wir sie oft mit voller Honigblase schwerbeladen
heimkehren.
Nach ca. 20 Tagen erscheinen die
ersten Arbeiterinnen, und es ist reizvoll, zu sehen, wie sich
die im Verhältnis zur Nestmutter winzigen Tierchen einfliegen
und Nektar und z.T. riesige Pollenhöschen heranschleppen.
Im Laufe des Sommers verstärkt
sich der Flugbetrieb mit dem Anwachsen der Insassenzahl immer
mehr. Schließlich sieht man, vor allem in den Vormittagsstunden,
wie sich auffallend große Hummeln einzufliegen beginnen:
Die ersten Jungköniginnen! Auch
Drohnen fliegen jetzt in den Morgenstunden ab - im Gegensatz zu
den Jungköniginnen aber ohne Orientierungsflug. Damit besteht
die erfreuliche Gewißheit, dass dieses Hummelvolk seine
Aufgabe der Arterhaltung erfüllen konnte. Allerdings ist
dann auch der Zeitpunkt des natürlichen Absterbens des Volkes
nicht mehr fern.