Anlage, Pflege und Vermehrung von Trachtpflanzen

Da heutzutage immer mehr Hummel- und andere Insektenbiotipe zerstört werden, gewinnen Brachgelände (Sozialbrache), offen gelassene Kies- und Sandgruben, stillgelegte Steinbrüche sowie Kahlschläge und begrünte Mülldeponien als Ersatzbiotope immer mehr an Bedeutung.

Denn dort wachsen vorwiegend Trachtpflanzen wie Schmalblättrige- und Vogelwicken, Taubnesseln, Wiesensalbei, Rot- und Weißklee, Beinwell, Goldregen, Heckenrosen, z. T. auch Luzerne, Hauhechel und viele andere Pflanzen. Bei der Neuanlage von Strassenböschungen sollten gleich oben genannte Pflanzen sowie Mohn, Kornblume, Ackerfuchsschwanz, Schwarznessel u. v. a. m. zur Aussaat gebracht werden. Ferner wäre eine Anpflanzung von Hecken aus verschiedenen Straucharten wünschenswert.

Beinwell (Symphytum officiale)

Beinwell (Symphytum officiale)Der Ankauf oder die Pacht von Brachgelände und dessen Aufteilung zu 1/3 Hecken - falls nicht schon vorhanden -, zu 1/3 Bienenweide wie Salix caprea (Salweide), Salix sachalinensis Sekka (Drachenweide), Salix alba (Silberweide), Salix alba vitellina pendula (Trauerweide), Salix purpurea (Purpurweide), Salix smithiana (Küblerweide) sowie Obstbäume und zu 1/3 Wiese mit zahlreichen Blütenpflanzen würden Hummeln und anderen Insekten sehr nützen. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass von ca. 250 Pflanzenarten, die ursprünglich im Umfeld des Ackers vorkamen, lediglich noch 50 Arten existieren! Dieser Tatsache wird viel zuwenig Beachtung geschenkt. Auch die Erhaltung von Altbaumbeständen wäre bei entsprechender Pflege dem Fortbestand der verschiedenen Hummel-, Wildbienen-, Schmetterlings- und Vogelarten sowie anderer wildlebender Tiere sehr dienlich. Je verschiedenartiger die Flora eines Gartens, desto artenreicher auch die Fauna!

Wie ich immer wieder beobachten konnte, stellen sich in den Trachtpflanzenbiotopen sowie in benachbarten Baumbeständen außer Hummeln auch viele andere, für die biologische Schädlingsbekämpfung wichtige Insektenarten ein: Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Raubwanzen, Echte Schlupfwespen, Erz- und Zehrwespen sowie Ohrwürmer. Denn ohne diese Nützlinge vermehren sich die Schädlinge sprunghaft, so dass Landwirte und Gärtner wieder vermehrt Insektizide anwenden, die auch den Hummeln sehr schaden. Dies muß in Zukunft unter allen Umständen vermieden werden.

Als optimales Nahrungsangebot für alle kurzrüsseligen und langrüsseligen Hummeln, die in meiner Umgebung vorkommen, baue ich Trachtpflanzen an: rund 2500 m² Zottige Winterwicken mit Kleegemisch (Gemeiner Hornklee, Gelbklee, Bunte Kronwicken u. a.) und ca. ebenso viel Vielblättrige Lupinen und Rotklee.

Bezugsquellen von Saatgut siehe Rubrik LINKS.