Nicht nur der Mensch, sondern auch
Tiere werden Hummeln gefährlich, Tiere als natürliche
Feinde, mit denen Hummeln leben müssen, seit es sie gibt.
Jungkönigin
der Steinhummel von Milben befallen.
Einige dieser Tierarten sind jedoch
durch Maßnahmen des Menschen meist unbewußt so in
Anzahl und Ausbreitung gefördert worden, dass sie schon eine
unnatürlich hohe Gefahr für Hummeln darstellen. Keinesfalls
soll dieses Kapitel dazu anregen, alle Hummelfeinde zu verfolgen,
denn das wäre falsch verstandener Naturschutz. Es wäre
geradezu absurd, wollte man, um ein Hummelnest zu schützen,
den bei uns so gefährdeten Neuntöter oder gar den Bienenfresser
verscheuchen, seine Brut vernichten oder ihn selbst abschließen.
Folgende Tiere können den Hummeln gefährlich
werden:
Die Wachsmotte, Aphomia sociella
(Flugzeit Anfang Mai bis Ende August, Antherophagus nigricornis,
ein kleiner brauner Käfer (Flugzeit Mitte Mai bis Ende September),
der als Kommensale gilt, während ich der Meinung bin, dass
es sich durchaus um einen Parasiten handelt, da sich seine Larve
ähnlich wie auch die Raupen der Wachsmotte sowohl vom Wachs
an und um die Brutwaben als auch von der Brut der Hummeln ernähren
(POUVREAU 1974, ALFORD 1975, E. v. HAGEN 1981). Besonders die
8 langrüsseligen Hummelarten Acker-, Garten-, Wald-, Deich-,
Moos-, Gras-, Sand- und Veränderliche Hummel werden durch
Antherophagus nigricornis, der sich während des Eintragens
von Nektar und Pollen an die Rüssel und Beine von Altköniginnen
und Arbeiterinnen klammert, befallen. Auf diese Weise läßt
sich Antherophagus ins Nest tragen, wo er - insbesondere aber
seine Larven, die sich von dem eingetragenen Blütenstaub
und den frisch aus den Eiern geschlüpften Hummellarven ernähren
- parasitiert. 1922 machte auch KARL v. FRISCH schon diese Beobachtung.
Ein weiterer Parasit ist die Schlupfwespenart Syntretus splendidus,
die auch Brachwespe genannt wird und ihre Eier z. T. auch in adulte
Hummeln ablegt.
In der für die Ansiedlung von
Hummeln von uns als Nestmaterial ver- wendeten unbehandelten Polsterwolle
nisten sich gern Larven der Kleidermotte, Endrosis sarcitrella
ein, die gelegentlich auch einmal am Wachs der Zellen fressen.
Ein relativ ungefährlicher
Bewohner der Hummelnester ist die Kleidermotte.
Ferner werden Hummelvölker
noch von Kuckuckshummeln (sog. Sozialparasiten), parasitären
Fliegenarten, Spinnen wie Blumenspinnen (Thomisiden), Ameisen,
dem Hummelnematoden Spherularina bombi, dem Hummeldarmparasiten
Nosema bombi (seltener auch dem Bienendarmparasiten Nosema
apis) und verschiedenen Milbenarten in irgendeiner Weise geschädigt.
Doch auch größere Tiere wie Dachs, Fuchs, Marder, Waschbär,
Igel, Spitzmäuse, Maulwurf, Mäuse und Ratten können
Hummeln nachstellen.
Außerdem zählen einige
Vogelarten zu den natürlichen Feinden.
Zu den Kuckuckshummeln möchte
ich hier noch folgendes erwähnen:
Von den etwa 10 in der Bundesrepublik Deutschland vorkommenden
Kuckuckshummelarten sind mir 6 Arten bekannt. Es besteht kaum
Zweifel, dass sich Schmarotzerhummeln - wie sie auch genannt werden
- ursprünglich aus herumvagabundierenden und in Hummelvölkern
parasitierenden Hummelköniginnen entwickelt haben (ALFORD
1975).
Folgende Kuckuckshummelarten sind auf besondere
Hummelarten als ihre Wirte spezialisiert:
Ps. rupestris bei der Stein- und Höhenhummel
Ps. vestalis bei der Dunklen Erdhummel Ps. bohemicus bei
der Hellen Erdhummel
Ps. maxillosus bei der Tonerdhummel
Ps. barbutellus bei der Gartenhummel
Ps. campestris bei der Ackerhummel und evtl. der Veränderlichen
Hummel
F. sylvestris bei der Wiesen- und evtl. auch bei der Heidehummel
und Dunklen Erdhummel
F. norvegicus bei der Baumhummel und bei der Wiesenhummel
F. quardicolor bei der Distelhummel
F. flavidus bei der Berglandhummel
Als weitere natürliche Gefährdungen
ist die Nestokkupation durch vagabundierende Hummelköniginnenzu
nennen.
Andere Gefährdungen:
Des weiteren sind Hummeln und andere Insekten durch unsachgemäße
konstruierte Borkenkäferfallen stark gefährdet. Hier
also ein Apell an die Waldbesitzer- und Bauern, diese Fallen nicht
ohne regelmäßige Prüfung aufzustellen. Ggf. ist
der Rat von einem Insektenfachmann einzuholen.
In neuerer Zeit haben sich selbst "bienenfreundliche" Saatgutbeizmittel als sehr gefährlich für viele Insektenarten insbesondere für die Hummeln herausgestellt.